Im ersten Teil unserer Serie zu börsennotierten Unternehmen aus der Yogabranche haben wir uns mit dem Yogabekleidungsunternehmen Lululemon beschäftigt. Nun kommen wir näher zur eigentlichen Praxis und werfen einen Blick auf YogaWorks – eine amerikanische Yogastudiokette. Im Artikel über Lululemon haben wir festgestellt, dass sehr viele Yogis gern Lululemon tragen. Wie sieht es am Ort der Praxis selbst aus? Gibt es ein Studio Konzept zu dem sich genauso viele Yogis hingezogen fühlen wie zu Lululemon Kleidung? Und lohnt sich die YogaWorks Aktie?

68 Studios in den amerikanischen Ballungszentren

Das erste YogaWorks Studio wurde 1987 in Santa Monica von den angesehenen Lehrern Maty Ezraty, Chuck Miller und Alan Finger eröffnet. Mittlerweile zählen zu der Kette 68 Studios in den Städten, bzw. Regionen Atlanta, Baltimore, Boston, Houston, Los Angeles, New York, Orange County, San Francisco (+ Bay Area) und Washington D.C..

Die Expansion wurde vor allem durch die Übernahme bereits bestehender Yogastudios vorangetrieben. So sind über zwei Drittel der derzeitigen Studios übernommen worden. Auf der YogaWorks Website gibt es sogar eine eigene Unterseite “Sell Your Studio“. Aktuell steht allerdings die Konsolidierung der bisherigen Standorte im Vordergrund.

Neben den offenen Kursen und einer Vielzahl von Teacher Trainings bietet YogaWorks auch Online Yogakurse an.

YogaWorks schreibt hohe Verluste

Der Expansionskurs der letzten Jahre hat zwar zu einer Sichtbarkeit in vielen großen amerikanischen Städten geführt, war aber auch sehr teuer. Im vergangenen Jahr machte YogaWorks bei einem Nettoumsatz von 59,6 Millionen US-$ ganze 35,2 Millionen $ Verlust.

Noch schwerer wiegt, dass die Quartalsumsätze seit dem Börsengang im Sommer 2017 kontinuierlich zurückgehen, oder auf niedrigem Niveau verharren. Als vor einer guten Woche die Ergebnisse des ersten Quartals 2019 vorgestellt wurden und der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent zulegte, führte dies direkt zu kräftig steigenden Kursen. Die Begeisterung hielt allerdings nicht einmal 48 Stunden, sodass die YogaWorks Aktie aktuell bei 0,62 US-$ pro Stück liegt. Damit ist sie nur noch knapp ein Fünftel des ursprünglichen Ausgabepreises wert.

Wette auf die Studiokette

Die Idee durch den Betrieb Dutzender Studios administrative Kosten einzusparen und den Markennamen zu stärken, ist für YogaWorks bisher nicht aufgegangen. Yogastudios lassen sich nicht wie Fitnessstudios führen. Es ist nicht möglich jedes Studio nach Schema F zu organisieren. Vielleicht läuft ein Studio auch nur aufgrund von zwei beliebten Lehrern gut. Was in einer Stadt funktioniert, mag in einer anderen Stadt schon wieder außer Mode sein, oder einfach nicht zu den klimatischen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen passen. In einem Land mit den Dimensionen der USA verschärft sich dieses Problem noch, selbst wenn YogaWorks sich im Wesentlichen auf die Küstenstreifen fokussiert.

Die Manager von YogaWorks wissen mit Sicherheit auch um diese Probleme. YogaWorks hat sich daher dazu entschieden vor allem bestehende Studios mitsamt Ihren Mitarbeitern zu übernehmen und schreibt zu seinen Studios selbst “no two […] look alike“. Nach einer Studioübernahme soll selbst der ausgeschenkte Tee derselbe bleiben.

So ändert sich für die Schüler im Studio auf den ersten Blick wenig. Und dennoch muss zumindest das Pricing an die anderen YogaWorks Studios in der Umgebung angepasst und das Schild über der Studiotüre ausgetauscht werden. Wenn dann noch ein oder zwei beliebte Lehrer das Studio wechseln, zieht in eine familiäre und bekannte Atmosphäre doch schnell die Anonymität eines großen Konzerns ein.

Selbst wenn sich die Atmosphäre nicht verändert und die Schüler dem Studio treu bleiben, stellt sich die Frage wie das Studio deutlich wirtschaftlicher als zuvor geführt werden soll. Um Kosten einzusparen muss der Tee dann eben doch über einen Partner und in sehr großer Menge bezogen werden.

YogaWorks Aktie: Yogaschüler im Studio

Fazit zur YogaWorks Aktie

Yoga ist sehr individuell und jeder Übende schätzt andere Qualitäten. Viele Schüler sind sehr auf einen bestimmten Lehrer fokussiert und legen großen Wert auf die persönliche Verbundenheit zu einem Lehrer. Das schließt nicht aus, dass es in Zukunft erfolgreiche Yogastudioketten geben wird, es erschwert deren Aufbau aber ungemein.

YogaWorks ist es bisher nicht gelungen die richtige Balance zwischen Vereinheitlichung und Kostenminimierung auf der einen und Individualität, Empathie und Qualität auf der anderen Seite zu finden. Es ist sicher richtig den Expansionsprozess für den Moment zu stoppen und zunächst an den Konzepten für die bestehenden Studios zu arbeiten. Eine schnelle Verbesserung der Lage ist indes unwahrscheinlich. Vielmehr stellt sich die Frage, ob YogaWorks von den Investoren genügend Zeit und Geld erhält, um die Verluste weiter zu finanzieren und mittelfristig abzubauen.

YogaWorks WKN: A2DX2E

YogaWorks ISIN: US9860051062

Titelbild: Christoph Thoma, weiteres Bild: Pauline Willrodt