Anusara Yogalehrerin Veronika Freitag im Interview

Anusara-Yogalehrerin Veronika Freitag über Glücksgefühle durch Yogalehren, den Wert des Anusara Yoga heute und die Weisheiten des Social Media.

1) Warum bist Du Yogalehrerin (geworden)?

Was uns selbst begeistert, was uns in Leidenschaft versetzt, das teilen wir gerne. So ist es bei mir mit Yoga. Ich unterrichte Yoga, weil es mir einfach Spaß macht das zu tun.

Zusätzlich lerne ich von Herzen gerne. Ich möchte einfach verstehen und wissen, was die Menschen und die Welt im Innersten zusammenhält. Von einer „Lehrerin“ erwartet man ja einen gewissen Kompetenzvorsprung. Selten finde ich es motivierend die Erwartungen anderer zu erfüllen. Aber in diesem Fall mache ich es gern, weil es mich motiviert immer weiter zu erkunden und was ich dabei selbst erkenne macht mich glücklich.

Veronika Freitag und Tina von Jakubowski

Anusara Yogalehrerin Veronika Freitag (links) und Tina von Jakubowski (rechts) bei den Anusara Immersions 2015

Wenn ich Yoga unterrichte, verbinde ich mich mit den Menschen, das geschieht quasi von allein und ist sehr schön. Dabei habe ich das Gefühl den Menschen wirklich etwas geben zu können.

Es gibt noch viele andere Aspekte. Wichtig ist auch: Das Glücksgefühl nach einer gelungenen Yogastunde oder nach einem Workshop, wenn die Menschen begeistert sind und ihre Augen leuchten. Das macht es mir leichter mich selbst zu lieben.

2) Wenn Du Deiner individuellen Art zu unterrichten einen Titel, ein Wort, eine Überschrift geben solltest – welche(r) wäre es?

Schwer in Worte zu fassen. Letztendlich ist es die Arbeit mit Energie: auf körperlicher, geistiger und noch subtilerer Ebene. Energien zu erfühlen und ihre Frequenz anzuheben. Das erscheint dann als eine Yogastunde mit einführenden Worten, kraftvoller oder feinfühliger Asanapraxis, sehr viel Atembewusstheit und Meditation.

3) Du bist keine der Yoginis, die ihre Weisheiten über Facebook, Twitter und Co verbreiten. Wie stehst Du zu neuen Medien als Lehrwerkzeuge für Yoga?

Grundlegend finde ich die neuen Medien großartig. Das Internet ist ein gigantischer Informationspool (auch für mich) und auf der virtuellen Ebene ist die Vernetzung von Allem Realität geworden. Aber es ist eben nur eine virtuelle Realität und ich möchte auch LEBEN, fühlen, berühren und echten Austausch mit Menschen, darum limitiere ich meine Zeit in den neuen Medien.

Außerdem bin ich auch etwas scheu und introvertiert und habe gar kein Bedürfnis jeden Gedanken und jede Situation meines Lebens in die Öffentlichkeit zu stellen. Dann habe ich noch das Gefühl, dass meine Gedanken zu komplex sind und ihre Ergründung zu tief ist als dass es zu der kurzgefassten Schnelllebigkeit und Informationsflut der neuen Medien passen würde. Aber das ist vielleicht nur altmodischer Argwohn. Vielleicht poste ich bald schon ein bisschen mehr.

4) Welchen Wert hat Anusara®- Yoga in der modernen Yoga-Welt Deiner Meinung nach?

Einen riesigen Wert, finde ich, aber das würde sicher jeder von dem Yoga sagen, welches er unterrichtet. Trotzdem: Anusara Yoga ist lebensbejahend, so befreiend, kraftvoll und gleichzeitig berührend. Es verbindet die Weisheiten der alten, insbesondere tantrischen Traditionen mit ganz modernen bewegunsphysiologischen Erkenntnissen. Die Ausrichtungsprinzipien sind genial. Sie beziehen sich nicht nur auf die physisch sinnvolle Ausrichtung von Muskeln, Knochen und Gelenken, sondern in ihrem spirituellen Kontext findet der Übende mehr und mehr eine Ausrichtung mit sich/seinem Selbst.

Das Wort „Anusara“ heißt „mit dem Fluss der universellen Energie“ oder mit der „eigenen Essenz“ fließen. Um so mehr uns das gelingt, um so leichter und schöner wird unser Leben und um so mehr kommen wir in unsere Kraft.

Anusara Yoga umfasst drei Perspektiven (die 3 A´s):

  1. die Intension (Attitude – genannt das „1. A“) berührt das Herz und die Seele,
  2. die Ausrichtung („2. A“) bezieht geistige-mentale Reflektionen ein,
  3. die Aktion („3 A“) enthält die Perspektive des Körpers.

Durch die verschiedenen Perspektiven finden ganz verschieden Menschen einen Zugang und werden gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen berührt. Die Intention spielt eine entscheidende Rolle. Sie ist der Rote Faden auf dem Weg zum Herzen und zur Erkenntnis. Sie spiegelt die Frage „Warum?“ (praktiziere ich, möchte ich etwas oder tue ich etwas), und dies ist eine Schlüsselfrage in diesem Universum.

5) Wo siehst Du die deutsche Yogaszene in 20 Jahren?

Yoga wirkt! Das erlebe ich fast tagtäglich. So kann ich mir gut vorstellen, dass in 20 Jahren noch bedeutend mehr Menschen Yoga praktizieren. Ich denke spirituelle Aspekte und die Arbeit mit Energie und Schwingung werden den derzeitigen körperlich-physischen Fokus verändern.

6) Du bildest ebenfalls Anusara-Yogalehrer aus. Was ist Dein Rat an die vielen angehenden Yogalehrer von heute?

Neben dem Lernen aus alten Traditionen und von inspirierenden Lehrerpersönlichkeiten, tretet nicht nur auf ausgetrampelten Pfaden, sondern findet Euren ganz eigenen Weg. Lehrt Eure Wahrheit, wie ihr sie von Augenblick zu Augenblick erkennt und habt bitte Spaß dabei!

7) Wenn Du eine Nachricht in Form eines Satzes an die Welt hättest – was würdest Du der Welt sagen oder schreiben?

Liebe Menschen, bitte glaubt nicht alles was ihr denkt, sondern erfühlt die Vielfalt dieser Welt. Was ihr empfindet und denkt kreiert Eure Wirklichkeit. Auf der Suche nach Eurem eigenen Weg sind Freude und Begeisterung sehr gute Wegweiser.

Über Veronika Freitag:

Veronika Freitag ist zertifizierte Anusara Yogalehrerin und leitet das Jyoti-Yoga Studio in Hamburg. Sie unterrichtet aus tiefer Erfahrung und Hinterfragung des yogischen Wissensschatzes heraus. Durch die tantrische Philosophie, kluge Körperarbeit und eine berührende Sprache lässt sie ihre Schüler mehr von der lebendigen Schönheit (Shri) erkennen, die das Leben ist.

Veronika Freitag bietet Immersions, Anusara Yoga Teacher Trainings und Retreats an. Videos von ihr findet Ihr auch auf Yogaeasy.